Comic-Ausstellung

  

Ausstellung der Ziggie-Comics im Rathaus 


Regionale Künstler stellen im Rathaus von Bienenbüttel ihre Werke aus. So kamen auch die Ziggie-Comics zu zeilweiliger Beachtung
Das Plakat des Kulturvereins Bienenbüttel


Der Anfang der Geschichte (Photo Ulrich Niehoff mit dessen freundlicher Genehmigung)


Beim Aufhängen der Paneele (Photo Ulrich Niehoff mit dessen freundlicher Genehmigung)




Die beiden Spezialistinnen für das Aufhängen der Bilder - vielen Dank für die Hilfe



und so berichte die "Allgemeine Zeitung" in Uelzen darüber am 3. Juli 2017

und am 5.7.2017 erschien dann dieser Artikel (Allgemeine Zeitung 5.7.2017, Seite 5)

Bilder von der Finissage am 15.09.2017. Der Ratsvorsitzende, Herr Siller, überbringt das Grußwort der Gemeinde Bienenbüttel









und die Rede des Zeichners

Sehr geehrten Damen und Herren, liebe Comicfreunde,

Hoffentlich hat die in den letzten Wochen ausgestellt Geschichte über das Hügelgrab Ihnen gefallen und vielleicht auch neugierig gemacht auf die anderen 15 Abenteuer von Ziggie und seinen Kumpels. Diese Geschichten werden nach wie vor im Internet zu sehen sein unter www.ziggie.de. Insgesamt sind dort 600 Seiten mit Comics von Ziggie zu sehen - 28 davon sind hier ausgestellt. Obwohl in Hamburg geboren, wohnen meine Frau und ich nun doch schon etwa 40 Jahre in Bienenbüttel. Nach dem Ende meines Arbeitslebens bin ich eigentlich Verkehrshistoriker. Daher gibt es mein Buch über die Liniengeschichte der Hamburger Straßenbahn und auch das zusammen mit Gerhard Wollenweber geschriebene Buch über den Bahnhof von Bienenbüttel in der Spuren-Reihe für den historischen Arbeitskreis des Gemeindearchivs . Künstlerisch bewege ich mich sonst eher in der Ästhetik des Städtebaus und der Karthographie von Stadtplänen. Auch dafür gibt es eine internationale Gemeinschaft, die sich über das Internet austauscht. Im Kulturzentrum "Frappant" in Hamburg-Altona habe ich über dieses Thema vor einiger Zeit mehrere Stunden gesprochen und es hat mich gewundert, wie etwa 50 junge Leute bei diesem doch eher trockenem Sujet fasziniert zuhörten. Diese hier ist nicht meine erste Ausstellung. Im Herbst 1958 hingen eine Reihe Graphiken in abstrakt-tachistischer Machart in der Gewerbeschule für den Buchandel in der Rautenbergstraße in Hamburg - St. Georg. Damals war Kandinsky mein Vorbild. Das Ganze war mit Pinsel und Schneebesen auf Plakakarton realisiert. Diese etwa 25 Kartons haben allerdings mehrere Umzüge nicht überlebt. ------------------------------------------

Comics sind ein Medium, das immer noch ein gewisses schmuddeliges Image hat. Dennoch gibt es auch hier graphische Highlights wie die mit wenigen Strichen realisierten Figuren von Charly Brown, Linus und Snoopy, gezeichnet von Charles M. Schulz, die Sie jeden Tag in der AZ sehen können. Es gibt Hal Fosters Prinz Eisenherz, Carl Barks Geschichten von Donald Duck oder die unbeugsamen Gallier mit Asterix, Obelix und Miraculix von Udzero und Goscinny, Herges Tim und Struppi - nur um ein paar bekanntere Beispiele zu nennen. Auch für Comics gilt Umberto Ecos Aussage in "lector in fabula": Vieles selbstverständliche wird nicht dargestellt, denn der Leser ergänzt die unerzählten Lücken der Geschichte gedanklich durch seinen kulturellen Hintergrund. So hat auch der Comic seine bestimmten Regeln und kulturellen Codes, die man als Leser lernen und verinnerlichen muss. Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit - so Walter Benjamin 1935 im Pariser Exil - unterwirft Kunst und ihre Rezeption, insbesondere durch die Entwicklung von Photographie und Film, einem Wandel. Zudem verliere in diesen Prozessen das Kunstwerk seine Aura, was in der Folge wiederum die soziale Funktion der Medien verändere - so Wikipedia Durch das Internet wird diese einfache Reproduzierbarkeit fokussiert und noch verstärkt und Kunst wird potentiell weltweit verfügbar - in der Regel kostenlos. Oft existiert überhaupt nichts materielles mehr als Original, sondern es gibt nur noch elektronische Dateien. So wurden auch für diese Ausstellung Originale hergestellt, die es sonst so nicht gegeben hätte. So gesehen ist Kunst durch elektronische Speicherung sehr demokratisch geworden. Für den Zugriff braucht man nichts als die Web-Adresse zu wissen. Jeder kann eine Plattform für die Öffentlichkeit finden, wenn er für ein paar Euro den Webspace mietet. Trotzdem gilt auch hier das Urheberrecht - auch wenn viele Leute irrtümlich glauben, was man im Internet findet wäre frei verfügbar. ----------------------------

Katzen sind ja nun auch faszinierende Wesen. Eine frei laufende Hauskatze hat unbeeinflußt von Nahrungssorgen alle Möglichkeiten der freien Entfaltung der Persönlichkeit. Sie unterbindet dabei als Nutzen für den Menschen nebenbei effektiv die Vermehrung der Mäuse. Rudyard Kiplings sehr schöne Geschichte von der Katze, die für sich alleine ging, gibt dafür die psychologische Grundlage. Sie ist der Kulturfolger, der den dichtesten Kontakt zum Menschen sucht, um daraus seinen Vorteil zu haben und doch - anders als der Hund - seine Unabhängigkeit zu behalten. Und mutig ist sie auch, so eng mit dem Menschen zusammen zu leben. Es wäre ja so, als wäre ein Mensch Haustier bei einem 9 Meter großen Riesen. Sie haben gelernt, mit Menschen zu kommunizieren und natürlich auch, ihren Menschen für sich dienstbar zu machen. Wie schon Montaigne sagte, der erste Essayist: "Wenn ich mit meiner Katze spiele, woher weiß ich denn, ob sie sich nicht über mich anmüsiert".

Katzen sind nur bedingt Einzelgänger. Sie bilden auch Gruppen. Oft bleiben Mütter und Töchter zusammen im Revier - nur die kleinen Kater müssen sich eine neue Bleibe suchen. Das kann man auf jedem Bauernhof sehen. Kater bilden dann Gangs. Oft sind es Brüder, aber auch fremde Kater tun sich zusammen. Erinnerlich ist mir eine Gang von drei Katern in Baschka / Kroatien, die jeden Abend um 8 über die Strandpromenade zur Futterstelle für Streuner der dortigen Tierfreunde strebten und sich stets die besten Plätze sicherten. So gesehen sind Geschichten über Katzengesellschaften nicht unrealistisch. Dennoch sind diese Stories natürlich im Bereich der Fiktion angesiedelt. Aber eben auch im lokalen Raum - südlich von Lüneburg. Dem Landrat wird schon immer ganz anders, wenn er wieder etwas von diesen Katzen erfährt - es ist nur Arbeit für ihn.

Es gibt sie wirklich, diese Meetings bei Vollmond auf einer Wiese oder einem Garagendach. Dort kommen die Katzen einer Gegend zusammen, sitzen eine Viertelstunde lautlos im Kreis und gehen danach wieder auseinander. Keiner weiß, warum sie dies tun. Noch nicht einmal Herr Leyhausen, der Papst der Verhaltensforschung bei kleinen Feliden. In der Geschichte, die Sie hier an den Wänden sehen, hat der Ort dieser Zusammenkünfte eine quasi religiöse Tradition eben beim Hügelgrab. Hier beisst sich das Interesse von Dr. Thomas Sültermann nach wissenschaftlicher Aufklärung mit den Emotionen der Katzen und der Tierfreunde. Es ist die zweite Geschichte aus der Serie von insgesamt 16 Geschichten. --------------------------------------------

Ziggie selbst existiert real. Er ist ein roter Kater aus Kreta, den uns die Familie Worbs vermittelte und der ganz legal als EU-Bürger eingereist ist mit europäischem Haustierpass in griechisch und englisch. Inzwischen ist er 10 Jahre alt. Er hat seine eigene Webseite - eben www.ziggie.de. In der deutschen Wikipedia im Artikel "Hauskatze" ist ein Photo seiner Pfote dargestellt als Beispiel für die gefährlich ausgefahrenen Katzenkrallen . ---------------------------------------------

Zur Technik: Diese Graphiken sind mit Paintbrush erstellt. Wahrscheinlich war ich einer der letzten in Niedersachsen, der mit diesem uralten Graphikprogramm der Firma Z-soft gearbeitet hat, das Mark Zackmann 1987 konzipierte. Mit Windows XP lief es noch, aber in Windows 10 nicht mehr. Paintbrush hatte seine Vorteile der einfachen Bedienung, die ähnliche Programme für Rastergraphik heute vermissen lassen. Man denkt, es sei ein Bug - aber die Designer moderner Programme versichern, es sei ein Feature. Dieses Feature braucht man nicht und es fehlen dafür andere wichtige Bedienelemente. Schade - ich vermisse Paintbrush. Jede Katze hat im Comic ihr unterschiedliches Profil, aber stets das gleiche, um sie wiederzuerkennen. Das Zauberwort ist: "copy and paste". Es gibt eine geheime Seite auf meinem PC mit den gesammelten Profilen der Charactere. Denn gezeichnet wurde hauptsächlich im Profil. Diese Methode ist bewährt seit der ägyptischen 18. Dynastie vor über 3000 Jahren. Im Profil kommen die Unterschiede der Personen prägnanter heraus Als ich die Serie zeichnete, war für Computerbildschirme eine Breite von 800 Pixel üblich. Heute könnte man - bei 1200 oder 1900 Pixeln - detaillierter vorgehen. Aber Original bleibt Original und so wurden diese Graphiken mit 800 Pixeln für diese Ausstellung auf 30 mal 30 Zentimeter vergrößert. Diese Paneels werden nun abgehängt. Wem eines besonders gut gefällt, kann es gegen die Druckkosten erwerben mit einer Widmung des Autors. Sprechen Sie mich deswegen gern an. --------------------------

Ich bedanke mich beim Kulturverein Bienenbüttel, der mir diese Ausstellung ermöglichte und bei der Gemeinde Bienenbüttel, die wie stets die Räume zur Verfügung stellte. Mein besonderer Dank gilt Herrn Ulrich Niehoff für die graphiktechnische Beratung, Herrn Wolfgang Koschel für die Reklame im Bekanntenkreis, meiner Frau Heide und Frau Brigitte Mundt-Hämmerling für die tätige Hilfe beim Aufhängen der Bilder, Herrn Sternitzke von der Allgemeinen Zeitung für seinen einfühlsamen Artikel vom 5. Juli, meinem Vater Emil Buchholz, der mir die Grundlagen des Zeichnens und soliden Handwerks vermittelte, meinem Sohn Robert, der provokant meinte, ich könne keine Comics zeichnen und natürlich bei unserem Kater Ziggie, ohne dessen Anwesenheit ich nicht auf die Idee zu diesen Comics gekommen wäre. Für Ihre Aufmerksamkeit danke ich Ihnen.